Trial – ein Blick in die Vergangenheit

Trial – ein Blick in die Vergangenheit

Heute wird mit Maschinen getrialt, die mit denen von damals nur noch den Namen Motorrad gemeinsam haben. Richtig abgestufte Getriebe, Reifen mit unbegrenzter Haftung, große Bodenfreiheit und ein Fahrzeuggewicht von unter 90 kg schaffen Voraussetzungen, von denen zu Beginn der Trials in Deutschland niemand zu träumen gewagt hätte. Basteln und schrauben, um überhaupt fahren zu können, muss man nicht mehr und es gibt genügend Händler, die den Wunsch nach einer ohne Umbau fahrbaren konkurrenzfähigen Maschine sofort befriedigen.

Aber wie entstand denn nun eigentlich der Trialsport in Deutschland, wann gab es die ersten Trial-Infizierten und was passierte denn überhaupt noch so? Erinnern wir uns doch mal mit einem Blick zurück.

Motoball

1955 wird Rot-Weiß Essen Deutscher Fußballmeister, 82 Zuschauer sterben beim 24-Stunden Rennen in Le Mans und in der Reiterstadt Verden/Aller wird das erste echte Trial in Deutschland zusammen mit der dort stationierten britischen Dragonerdivision organisiert. Die Strecke ist 3,5 km lang und mir Hängen, Sandkuhlen und Gräben gewürzt. Sieger ist Kenneth Slaughter auf einer Matchless 350 ccm.

Im gleichen Jahr wird in Nürnberg die Motorsport-Vereinigung mit dem 1. Vorsitzenden Carl Jurisch gegründet, der bereits in der Vorkriegszeit als erfolgreicher Motorsportler an den Schottischen Sixdays teilnahm und dabei vom Trialbazillus infiziert wurde.

1957 fliegen Sputniks in´s All und die erste genehmigungspflichtige Veranstaltung der MV Nürnberg wird als Trialwettbewerb ausgeschrieben. Durch die Teilnahme der ZÜNDAPP-Werksfahrer am belgischen Trial Lamborelle gelangen wertvolle Informationen nach Nürnberg, die in die Veranstaltung mit einfließen.

1959, die Revolution unter Fidel Castro in Kuba ist siegreich, wird in Uelzen die Deutsche Trial Sport Gemeinschaft (DTSG) gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Desinteresse von ADAC und OMK zu überwinden und eine Trialmeisterschaft zu etablieren, was, nach Schwierigkeiten, auch gelingt.

Es entstehen zwei Haupttrialgebiete in Deutschland, einmal im Norden im Raum Lüneburg/Uelzen und im Süden im Raum Nürnberg. Aus wenigen Veranstaltungen werden viele, die deutsche Motorradindustrie entdeckt das Trial und vor allem ZÜNDAPP treibt die Entwicklung konkurrenzfähiger Zweitaktmotorräder mit Hubräumen von 50 bis 250 ccm voran. So bleibt es nicht aus, dass die Werksfahrer nationale Titel wie im Abonnement gewinnen. Günter Sengfeld, Andreas Brandl, Lorenz Specht, Siegfried Gienger, Josef Wolfgruber u.a.m. bestimmen das Geschehen in den Sektionen, auch ein Europameistertitel geht an Gustav Franke. Das Werksengagement wirkt sich andererseits auch hemmend auf die gewünschte Entwicklung zum Breitensport aus, so dass die Industrie in Deutschland sich wieder vom Trial zurückzieht und es anderen überlässt.

Die schweren Viertaktmotorräder britischer Herkunft (AJS, Ariel, BSA u.a.) werden durch wendige und leichte Zweitakter abgelöst, wobei vor allem spanische, später auch japanische und italienische Modelle den Ton angeben. Als überragender Fahrer beherrscht durch Können und Persönlichkeit seit Anfang der 70er Jahre Felix Krahnstöver mit 10 Meistertiteln jahrelang das Trialgeschehen.

Heute ist ein akrobatischer Fahrstil gefordert, der für den Amateur ohne immensen Trainingsaufwand nicht mehr zu realisieren ist. Eine Saison dauert inzwischen 12 Monate, zumindest ein Plus für den Zuschauer, der damit seinem geliebten Trialsport ohne Pause Wochenende für Wochenende folgen kann.

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