Bericht 2011

Bericht 2011

Abschlussbericht vom 07. August 2011

Ganz kurz sah es so aus, als ob sich das Wetter beim 16. ADAC Nacht-Trial des MSC Weser-Solling Förstenhagen doch noch zum Guten wenden wörde. Während der Fahrerpräsentation um kurz nach 20 Uhr rissen die Wolken auf, und es hörte auf zu regnen. Doch kaum waren die elf Fahrer aus fünf Ländern in die Fahrt über die Geländehindernisse gestartet, begannen erneut heftige Schauer. Es wurde ein Kampf gegen Regen und Matsch und auch eine der spannendsten Entscheidungen in der 25jährigen Geschichte des Nacht-Trial. Erst in allerletzter Sekunde und um Haaresbreite schlug Nacht-Trial-Debötant Maxime Warenghien nach vier Runden den amtierenden Deutschen Meister Mirco Kammel aus Bielefeld. Dritter wurde der Tscheche Martin Kroustek.

Vor dem Start war der 19jährige Warenghien, der zu den Top-Piloten in der Junioren-WM zählt, noch vorsichtig: „Ich habe keine Erwartungen und werde einfach mein Bestes geben“, sagte er. Doch bereits durch die ersten beiden Sektionen im Bereich des neu gestalteten Abschnittes unterhalb der Vereinshütte zog er mit seiner spanischen GasGas 300 eine eindrucksvolle Spur und musste die Füße nicht auf den Boden setzen. Zügig und unter knappen Kommandos seines als Wasserträger und Spurenleser mitlaufenden Vaters ging Warenghien in die weiteren Geländeabschnitte.

Heftige Gegenwehr kam vom Deutschen Meister Mirco Kammel. Der ebenfalls 19Jährige vom MSC Brake war vor dem Nacht-Trial sparsam mit Prognosen und beließ es bei einem schlichten: „Spaß haben und ein gutes Ergebnis rausfahren.“ Nach der Fahrt über die ersten sechs Geländeabschnitte hatte Kammel aus Spaß Ernst gemacht und Runde eins mit einem Punkt Vorsprung vor Warenghien beendet. Diesen Vorteil konnte der Gymnasiast, der ebenfalls eine GasGas fährt, bis in die letzte Runde halten.

Es kam zum hoch spannenden Finale. Kammel hatte angesichts der ständig wechselnden Bedingungen die Hindernisse in jedem Umlauf ausgiebig besichtigt. Er ging dabei bewusst das Risiko ein, die maximale Fahrzeit von zweieinhalb Stunden zu überschreiten und dafür Strafpunkte zu kassieren. In einem wahren Sprint trieb er die rund 70 Kilogramm leichte Geländemaschine durch die letzte Runde, ließ dabei mit Absicht eine extrem schwierige Sektion aus großen Radladerreifen aus und kassierte dafür fünf Fehlerpunkte. Vom Ende des letzten Geländeabschnittes spurtete sein Wasserträger in den Zielbereich und konnte Kammels Wertungskarte wenige Sekunden vor Ablauf der Zeitfrist übergeben. Gespannt warteten die Duellanten auf das Ergebnis. Dies hätte nicht knapper ausfallen können: Mit 42 Fehlerpunkten lag Warenghien am Ende nur einen Zähler vor Kammel und sorgte damit für den ersten belgischen Sieg beim Nacht-Trial in Fürstenhagen.

„Vielen Dank für die Einladung und auch für die tolle Unterstützung durch die Zuschauer“, sagte der Sieger nach dem Wettbewerb. „Die Sektionen waren technisch sehr anspruchsvoll, und das liegt mir“, so das Fazit des Wallonen, der eine Profikarriere im Trial anstrebt.

Auch Mirco Kammel strahlte. Vom Regen durchnässt und dabei doch vollkommen durchgeschwitzt lachte er im Zielbereich auf seinem mit Schlamm überzogenen Zweitakt-Motorrad: „Wer schneller fährt, hat weniger Zeit, die Füße auf den Boden zu setzen“, sagte er zu seinem fast perfekten Husarenritt über die letzten Hindernisse. „Es lief richtig prima. Ich war erstaunt, wie gut die meisten Sektionen trotz der Nässe zu fahren waren. Ich habe das Rennen sehr lange offen halten können. Das hatte ich nicht erwartet.“

Ein besonderes Highlight konnte der 22jährige Christian Kregeloh aus Schwelm setzen. Als einziger schaffte er es, die schmierige Reifensektion ohne die höchste Fehlerpunktzahl zu bewältigen. Mit dem Aufdruck „Ich liebe Dreck“ auf dem T-Shirt nahm er als zweitbester Deutscher etwas überrascht die Ehrung für den hervorragenden vierten Gesamtrang entgegen.

Nicht gl⇈cklich mit der eigenen Leistung war der 33jährige Deutsche Rekordmeister Carsten Stranghöner aus Herford. Er belegte Rang 5: „Das war eine großartige Veranstaltung, aber ich bin mit mir selbst nicht zufrieden. Ich habe in der zweiten Hälfte zu sehr abgebaut und muss zugeben, dass mir die engen Sektionen nicht so liegen. Das haben die jungen Konkurrenten besser im Griff.“

Zufrieden waren die Organisatoren des MSC Weser-Solling, der in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen feiert. „Angesichts des schlechten Wetters haben wir bis kurz vor dem Start befürchtet, heute mit den Fahrern so ziemlich alleine im Regen stehen. Aber plötzlich waren doch 1.000 Zuschauer da. Das freut uns sehr. Es unterstreicht, dass wir mit dem Nacht-Trial eine feste Größe im Sportkalender etabliert haben, die auch zieht, wenn das Wetter einmal nicht mitspielt“, sagte Andreas Hoffmeister, Erster Vorsitzender des MSC Weser-Solling. Hoffmeister bedankte sich gleichzeitig bei den zahlreichen Helfern und Vereinen, die das Nacht-Trial unterstützt haben.

Auch Fahrtleiter Dietrich Siemon zog ein positives Fazit: „Die Anspannung war groß. Es ist schwierig einzuschätzen, wie sich Nässe auf die Spur auswirkt. Wir haben vor dem Start eine Sektion entschärft, um auf der sicheren Seite zu sein. Der Rest blieb unverändert. Bereits die erste Runde hat gezeigt, dass dies die richtige Entscheidung war. Die Strecke war fair und nicht zu schwierig. Vierzig Mal sind die Fahrer mit null Fehlerpunkten durch die Sektionen gefahren.“

Ergebnis 16. Internationales ADAC Nacht-Trial des MSC Weser-Solling e. V. vom 06. August 2011: 1. Maxime Warenghien (B), 42 Fehlerpunkte 2. Mirco Kammel (Bielefeld), 43 3. Martin Kroustek (CZ), 52 4. Christian Kregeloh (Schwelm), 61 5. Carsten Stranghöner (Bielefeld), 65 6. Jan Peters (Dambeck), 66 7. Markus Schütte (Bielefeld), 71 8. Ewoud Lalkens (NL), 88 9. Stefan Griebenow (Uelzen), 91 10. Richard Rosenstatter (Österreich), 102 11. Jan Brockmeyer (Melle), 103.

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